Wie die Zeit vergeht: die 30 Tage in Indien, die uns letztendlich als Visum genehmigt wurden, sind viel zu schnell an uns vorbeigerast. Nach unserem unerwarteten Aufenthalt in Australien, kommen wir am 9. März endlich in Bengaluru an. Die ersten Tage verbringen wir bei Freunden meines Vaters. David ist Pastor mit Haut und Haar und lebt mit seiner Frau Suguna und seinem Sohn Sherwin, sowie dessen Frau Eva in einer sogenannten Gated Community in einem sicheren Teil der Stadt. Seine Tochter Shayleen lebt in der Nähe mit ihrem Mann Albi. Wie wir es inzwischen von InderInnen kennen, werden wir herzlich aufgenommen und mit indischen hausgemachten Köstlichkeiten vollgestopft. Bis zum heutigen Tag war uns übrigens fast kein Essen zu scharf und wir sind schon ziemlich geübt mit Händen zu essen. Diese Familie hat uns wirklich nie gelangweilt und dafür gesorgt, dass wir schnellstmöglich kulturgeschockt sind, von arrangierten Hochzeiten bis zum Verbot, dass Hausfrauen arbeiten dürfen über etliche Glaubenthemen wird alles beredet. Außerdem werden wir gleich an den indischen Verkehr gewöhnt, der nicht in Bilder oder Worte zu fassen ist, indem wir bei einer Besichtigungstour inkl. Museumsbesuch mit Beschriftungen wie „Schwert“ oder „besonderes Schwert“, etwa 2 Stunden im Stau stehen.
Danach werden wir in der Hektik und im Chaos der Stadt quasi zum Shoppen gezwungen und in hübschen traditionellen Kurta eingekleidet. Mit Sherwin und Shayleen gehen wir dann am Abend ein bisschen aus, bevor wir anschließend um 6 Uhr Früh, nach nur 4 Stunden Schlaf ins nächste Abenteuer gestoßen werden. Während wir, typisch österreichisch pünktlich um 6 bereit sind, kommt der Rest der Familie gegen 7 Uhr – Indian Stretchable Time…
Über fragwürdige Straßen und umzingelt von fragwürdigen Fahrern geht’s 5 Stunden lang in die sogenannten Rural Areas, besser bekannt als kleine Dörfer inmitten von Nichts. Halt machen wir in Kamagere, wo die Hauseinweihungsfeier stattfindet, die David vollziehen darf. Schweißdurchtränkt finden wir uns zunächst in einem Haus von Freunden der Familie ein, sitzen in einem Kreis von 15 Leuten bei indischen Kaffee, wo hauptsächlich die Sprache Kannada verwendet wird. Mehr oder weniger schnell und mit einiger Verspätung treffen wir beim Zeremonieplatz ein. Hunderte von bunt gekleideten ChristInnen zelebrieren hier gemeinsam mit schiefer Musik und schieferem Gesang unter einem Zelt aus Stoffen das neue Haus. Mit diesem Auflauf haben wir nicht gerechnet und noch weniger damit, was danach kommt. Nachdem ein Priester nach dem anderen emotionale lautstarke Reden schwingt (nur in Kannada), werden Maxi und ich plötzlich als Ehrengäste der Gemeinde aufgerufen und mit Blumensträußen beschenkt. Als ob wir als Weiße nicht sowieso schon genug bestaunt werden. David durchschneidet das Band zur Einweihung, später werden wir mit Essen bedient und bekommen im Gegensatz zum Rest eine ziemliche Sonderbehandlung, außer, dass Maxis lange Haare von einem sehr konservativen Pastor als Sünde bezeichnet werden. Dieses Dorf war auf alle Fälle eine spannende Erfahrung, wenn die Verständigung durch fehlende Englischkenntnisse auch oft schwierig war.
Noch an dem Tag gehts am Abend mit der jüngeren Generation der Familie 2 Stunden nach Mysore, während David und Suguna für den Gottesdienst am nächsten Tag in Kamagere bleiben. In Mysore sehen wir uns den gigantischen Palast von außen an, der mit tausenden Glühbirnen jeden Tag 1 Stunde erstrahlt, umd machen mitten im Stadtverkehr eine Kutschfahrt zu siebt, mit nur einem kleinen armen Pferd- also keinesfalls nachahmen, wir schämen uns heute noch dafür. Am nächsten Tag unternehmen wir eine Tour im Inneren des Palastes, der unglaublicher ist, als alles, was wir je gesehen haben mit den ganzen 3D Bildern, dem Gold und den geschnitzen Kunstwerken und Säulen und allem- Fotos darf man allerdings keine machen, da sind die Wachen nicht mal zu Maxi nett. Gegen Abend sehen wir uns den Hindu-Tempel am Hügel der Stadt an, der vor allem wegen seinen Äffchen toll ist und weniger wegem den Müllhaufen, die den Berg bedecken. Erst spät in der Nacht kommen wir inkl. der ganzen Familie, die uns unmöglicherweise auf ALLES einlädt, wieder in Bengaluru an. Diese Familie hat uns echt einiges zu erzählen, was zu ausführlich wäre, hier niederzuschreiben. Wir hätten uns kein besseres Willkommen in Indien vorstellen können, nochmals tausend Dank dafür!
Am 14. kommen wir mit einem superkomfortablen Übernachtbus (mit Betten, ohne Klo) endlich in Goa an, wo wir meine wunderbarste Leni wieder treffen und ihren damals noch Verlobten, Nipun kennenlernen können. Mit den beiden unternehmen wir fast jeden Tag etwas und ließens uns im entspannten Goa so richtig gut gehen. Viele meinen ja, dass Goa gar nicht Indien wäre, während Inder selbst in Goa Urlaub machen und es das Paradies nennen. Und so ist es auch. Der indische Flair bleibt, etwas weniger Leute, mehr Natur, mehr Ruhe, weniger Müll, mehr Russen. Die erste Woche hier gehen wir gut Essen, relaxen am Strand mit Yogi, dem lieben Hund der beiden, erkunden den Wednesdaymarket und den Saturdaymarket, die so unglaublich viel zu bieten haben und gehen am Wochenende aus, wie könnte es in Goa anders sein.
Und ich muss schon sagen, am Strand zu feiern ist eindeutig besser, wie irgendwo drinnen. Leni und Nipun hatten uns ein Apartment in der Nähe organisiert und wir düsen viel mit unseren Scooter herum (natürlich ohne Helme) und erkunden verschiedene Juice Center und Gemüsemärkte. Getrieben von der Neugier wollen Maxi und ich aber noch mehr von Indien sehen und beschließen, für ein paar Tage nach Hampi zu fahren, nachdem uns jedeR von Mumbai abrät und es dort teurer ist. 12 Stunden wieder per Übernachtbus gehts zu der ehemaligen Königsstätte, die etliche Ruinen, Tempel und Paläste beherbergt. Ohne zu wissen, was uns erwartet, sind wir plötzlich in diesem Paradies angekommen. Rundherum Sand und Hügel, die mit großen Felsen bestückt sind, Ruinen so weit das Auge reicht und von oben die brütende Sonne.
Am ersten Tag erkunden wir die Tempelanlage, die sich gleich neben dem Dörfchen Hampi Bazaar befindet, wo wir ein Zimmer im Shambo haben. Eine bezahlte Segnung, unzählige Affen, verzierte Säulen, ein heiliger Fluss die Treppen nach unten, wo Frauen in ihren Saris und Männer in ihren Unterhosen, sich selbst und ihre Wäsche waschen. Über ein paar Steine gehts über den Fluss zu einem anderen Dorf. Bei 40 Grad im Schatten klettern wir den Sunset Hügel hinauf und wieder hinunter. Alles wäre so wunderbar gewesen, wenn nicht beinahe jedeR indische TouristIn ein Selfie mit uns machen will. Teilweise ohne zu Fragen, teilweise ignorieren sie unser Nein. Wir hassen es aufgrund von unserer Hautfarbe als etwas besonderes angesehen zu werden. Naja. Später maschieren wir auf den Matanga Hügel, wo wir mit einer handvoll TouristInnen und einem Jungen, der Karten verkauft, den Sonnenuntergang bewundern.
Mit wenig Schlaf bei der unaushaltbaren Schwüle, entscheiden wir uns am nächsten Tag, nachdem wir der Tempelelefantin einen kurzen Besuch abstatten, dazu, eine Radtour durch den größeren und ältesten Teil der Ruinenstadt zu machen. Von Monument zu Monument schleppen wir uns auf unseren klapprigen Rädern, vom Vitthala Tempel zum Queens Bath, weiter zum Zenana Enclosure mit Lotus Mahal und Streifenhörnchen bis zu den Elephant Stables. Und trotz den etwa 7 Litern Wasser pro Person, die wir an dem Tag brauchen, lohnt sich die Tour. Hampi gehört unbedingt besucht! Am nächsten Tag fahren wir wieder zurück nach Goa/Siolim, diesmal aber mit dem Zug, was eine ganz eigene Erfahrung ist.
Um 5 Uhr Früh nehmen wir ein Tuktuk/Mototaxi/Oto zur nächsten Stadt. Kuhkarren kreuzen den unebenen Weg, während am Horizont die Sonne langsam emporsteigt. Am Bahnhof selbst herrscht gewohntes geordnetes Chaos. Leute, die am Boden sitzen, werden mit Stöcken verscheucht, etwa 20 Chai- Verkäufer mit Thermoskanne schreien ihr Produkt in die Welt hinaus. Uns wird gesagt, dass das Sleeper Abteil ganz am Ende des Zuges ist. Die restlichen TouristInnen haben sich meht Luxus gegönnt, wir warten mit den Locals vor der 2.-billigsten Klasse, die billigste sei wohl zu gefährlich für uns, hat man uns gesagt. Von außen sieht es auch bei unserem Abteil nach Horror aus. Drinnen ist es wesentlich besser. Je 6 Liegen pro offenem Abteil inkl. 2 am Gang. Durch Dschungel, vorbei an Wasserfällen und größeren und kleineren Dörfern führt die Reise. Sogar ein Bordservice gibt es, der uns mit einem Mittagessen in Plastiksackerln bedient. 9 Stunden später sind wir trotzdem ziemlich fertig vom Lärm und der Hitze. Mit dem Scooter gehts von Mapusa nach Siolim, leider werden wir bei dem Chaos gestresst, was dazu führt, dass eine Kurve zu eng genommen wird und mein Fuß gegen Moped kracht. Na toll. Gleich fahren wir in ein empfohlenes Krankenhaus, lassen den Fuß röntgen- glücklicherweise nichts gebrochen, nur Prellung mit geschwollem-blauen Fuß. Somit sind die nächsten Tage in Siolim ziemlich faad. Ich liege viel im Bett, tanzen gehen wird wohl nichts. Lediglich ein superawesomer Knödel-Diashow Abend mit Leni und Nipun kann stattfinden. Ein paar Tage später ist alles wieder besser. Wir chillen am Strand, schlendern durch Märkte und gehen erneut zu Trancemusik feiern- mit dem tollen Zusatz, dass diesmal Lenis und Nipuns JunggesellInnenabschied gefeiert wird. Am übernächsten Tag sind alle wieder erholt und die schamanische Hochzeitszeremonie kann stattfinden. In kleinstem Kreis mit Inhouse-Feuer, Trommeln und einem Bund fürs Leben wird die Vereinigung beschlossen. Und ganz ehrlich, trotzdem, dass das Standesamt Probleme machte, es war eine wunderschöne Hochzeit (die erste von vielen) und ich wünsche den beiden nur das Allerbeste! Es gibt Sekt, Fotoshootings vor der Yoga Schule, die auch deren zu Hause ist, später gehts standesgemäß zu einem schönen Strandresort, wo wir köstliches Essen verspeisen und ich meine Brautjungfernrede halte. Am nächsten Tag machen Maxi und ich eine Mopedtour in der schwülen Hitze, die sich mehr und mehr über Goa aufstaut. 1,5 Stunden gehts mit idiotischen FahrerInnen und über weniger gute Straßen ins Landesinnere nach Sanquelim. Rund um uns Dschungel und die gewohnte Schönheit Goas. Dazwischen kleine Dörfer, Straßenkühe, Straßenhunde und Müll. Der unbekannte Harvalem Wasserfall ist unser Ziel. Ein paradiesischer Platz, schwimmen ist trotzdem nicht zu empfehlen. Wir spazieren dort und zum anschließenden Tempel, später besuchen wir die Arvalem Caves mit verschiedenen Hindu-Schreinen. Ein Tagesausflug geht zu Ende und mit viel Glück kommen wir wieder heil daheim an. An unserem letzten Wochende gehen wir zu zweit zu einer Tranceparty, wo ein befreundeter Tättowierer von den daheimgebliebenen Kranken auflegt. Die letzten paar Tage hier verbringen wir mit Strandspaziergängen in Small Vagator, bei Sonnenuntergang erklimmen wir das Chapora-Fort, eine Ruine von portugiesischen Zeiten. Außerdem besuchen wir die Hippiehochburg in Arambol, wo es das beste Malai Kofta und wunderschöne Strände gibt. Wir machen viel mit Leni und Nipun, relaxen am Abend und gehen wohl zu viel essen, zusätzlich haben wir zu wenig Bewegung wegen schmerzenden Füßen (unerklärlicherweise hat auch Maxi seit Wochen Fußschmerzen) und der Hitze. Mittwochs bekomme ich von Leni eine Einführung in die Welt des Schamanismus- weitaus normaler, wie es Klischees und Vorurteile vermuten lassen. Ein letztes Mal shoppen wir am Wednesdaymarket. Später am Abend werde ich von Maxi zum 4-jährigen Kennenlerntag (schon 4 Jahre?!) edel ausgeführt und verspeise ein letztes Mal gutes Seafood.
An unserem vorletzten Tag hier, gibt uns Nipun Morgenyoga-Unterricht, der nicht mal so ohne ist, uns aber munter und fit für den Tag macht. Nur zu empfehlen! Und dann müssen wir schreiben und Fotos bearbeiten und packen- langweilig! Den letzten Abend verbringen wir mit Leni und Nipun, Dhal und mehr von unserem Weltreise-Fotoshow-Vortrag — Bald auch in Österreich zu sehen!
Und heute ist es tatsächlich so weit und wir fliegen, wenn alles klappt um 20:30 Uhr nach Salzburg, wo wir morgen ankommen. War es das schon? Wirklich? 7 Monate Weltreise später und es fühlt sich so an, als wären wir Jahre weg gewesen. So viel haben wir erlebt. Gleichzeitig waren wir doch gerade erst beim Start in Peru, oder? Ich komme mit gemischten Gefühlen nach Hause. Die Freude über meine Familie und Freunde überwiegt, aber die Reise jetzt zu unterbrechen, fühlt sich komisch an. Auch wenn ich weiß, dass der Reisealltag mittlerweile gekommen ist und wir nicht mehr alles so aufregend finden, wie vor 7 Monaten. Eine Pause ist da sicher nicht schlecht. Ich komme auch mit dem Wissen nach Hause, dass Österreich tatsächlich noch immer das Land ist, in dem ich leben will. Mit all seinen GrantlerInnen und Schattenseiten kann ich hier mit den Fehlern noch am ehesten leben. Oder wie wir in einem sehr weisen Moment feststellten: Dahoam is, wost die Scheisse am meisten akzeptiern konnst.
Wir kommen mit so viel mehr zurück, als wir je hätten erwarten können. Daher ein großes DANKE an alle, die diese Reise möglich gemacht haben, die uns unterstützt haben, die uns begleitet haben in welcher Weise auch immer, die uns bei sich aufgenommen haben, die uns willkommen geheißen haben, die mit uns gelacht und geweint haben, die mit uns gefeierten haben und für uns da waren, wenn wir sie brauchten. Danke an alle, die ihr tagtäglich in unseren Leben seid und es zu dem macht, was es ist. Danke für eure Freundschaft, eure Liebe und eure Treue. Denn wie wir beide immer wieder gelernt haben: „Happiness is only real, when shared.“
Last, but not least, danke an Maxi. Ein Danke reicht gar nicht aus, um alles zusammenzufassen, was du für mich bist. 7 Monate sind wir jeden verdammten Tag 24 Stunden aufeinander geklebt und wir können uns noch mehr leiden als zuvor?! Nie hätte ich so etwas für möglich gehalten. Und nur du bist der Mensch, mit dem ich so etwas irrsinniges jeden Tag aufs Neue machen würde. Danke für einfach alles. Ich liebe dich.
So genug Gesülze, wir sehen uns hoffentlich alle zu Hause! Machts gut!










































































































Schreibe einen Kommentar